Die Hassobjekte der Nation

Und so sehen sie aus, die „Verfassungsfeinde“ und „Obskuranten“, vor denen Deutschland erzittert, wenn es sich nicht gerade über Putin, die NSA oder Israel empört:

@ Deutsch Türkische Kulturolympiade

@ Deutsch Türkische Kulturolympiade

Wie jedes Jahr entblöden sich „Qualitätsmedien“ nicht, die Deutsch-Türkische Kulturolympiade in die Nähe dunkler Machenschaften zu rücken und Politiker, die sie besuchen, Grußworte sprechen oder die Schirmherrschaft darüber übernehmen, anzugreifen.

Die türkischen Kulturolympiaden finden jährlich in aller Welt statt. Sie laufen ab wie ein Kultur- und Talentwettbewerb, Kinder und Jugendliche aus aller Welt nehmen daran teil. Hinter der Olympiade steht die Hizmet-Bewegung, die in über 140 Ländern Bildungseinrichtungen unterhält. Mehrere tausend Teilnehmer tragen unter anderem Lieder und Gedichte in türkischer oder in ihrer Landessprache vor, jeder Teilnehmer jeweils in der Sprache, die nicht die eigene Muttersprache ist. Für Kinder und Jugendliche aus Syrien, die in der Türkei und anderen Ländern in Flüchtlingslagern leben, ist die Teilnahme an dem Wettbewerb beispielsweise eine der wenigen Möglichkeiten, dem tristen Alltag zu entfliehen.  

Im Vordergrund des Wettbewerbs steht ein Austausch der verschiedenen Kulturen mit der Türkei. Die „Deutsch-Türkische Kulturolympiade“ entstand aus dem Bedürfnis, ein Zeichen der Völkerverständigung zu setzen und die deutsche und türkische Bevölkerung auf einer Plattform für interkulturellen Austausch einander näher zu bringen. 2011 wuchs der Kulturwettbewerb in Deutschland zu einem deutsch-türkischen Sprachfest heran.

Die Anzahl der Mitwirkenden und Zuschauer ist seither mit jedem Jahr gestiegen. Nahmen 2010 noch 3500 Gäste an der Abschlussveranstaltung teil, kamen 2012 bereits über 8000 und 2013 über 8500 Zuschauer in der Dortmunder Westfalenhalle zusammen.

Die Kulturolympiaden sind ein wesentlicher Beitrag dazu, Kinder und Jugendliche aus der alteingesessene Bevölkerung und solche aus der Einwanderercommunity in einer kulturbejahenden Art und Weise einander näherzubringen und so beiden zu ermöglichen, die traditionelle Kultur der jeweils anderen Nation und die eigene kennenzulernen und zu pflegen.

Die meisten Teilnehmer kommen aus Privatschulen, deren Träger von den Ideen Fethullah Gülens inspiriert sind. Diese Schulen genießen im Allgemeinen einen hervorragenden Ruf, ein erheblicher Anteil der Lehrkräfte kommt aus Deutschland und steht nicht einmal der Hizmet-Bewegung nahe. Aber sie eint mit Fethullah Gülen und den von dessen Lehren inspirierten Personen der Gedanke, dass man jungen Menschen deutlich machen müsse, dass sie mit Fleiß, Ehrgeiz und Bildungshunger Großes erreichen können – auch wenn sie aus schwierigen Verhältnissen kommen. Selbst der nicht gerade für übermäßige Empathie gegenüber Einwandererkulturen bekannte Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky kommt nicht umhin, die Bemühungen der Verantwortlichen der Tüdesb-Einrichtung in Berlin um einen erfolgreichen Bildungsweg ihrer Schüler anzuerkennen und die angenehme Atmosphäre zu loben.

Für Assimilationstaliban von Links und Rechts kann jedoch nicht sein, was nicht sein darf. Da ist es kein Wunder, dass auch die Deutsch-Türkische Kulturolympiade für den lange Zeit von der früheren Bundespräsidentschaftskandidatin Luc Jochimsen („Die DDR war kein Unrechtsstaat“) als Chefredakteurin geleiteten Hessischen Rundfunk ebenso haram ist wie für den linksgrünen Kolportagejournalisten Maximilian Popp vom „Spiegel“.

Geradezu lächerlich wird es jedoch, wenn nun auch die „Junge Freiheit“ in den Chor der Warner vor dem „intransparenten, integrationsgefährdenden und ultrakonservativen Charakter“ der „Sekte“ einstimmt und sich dabei ausgerechnet auf SPD-Linksaußen Aziz Bozkurt beruft, der ansonsten ihre eigenen Säulenheiligen wie Sarrazin und Buschkowsky regelmäßig mit Breivik vergleicht.

Nicht nur, dass „ultrakonservativ“ für eine Zeitung, die sich sonst so gerne als Sprachrohr einer „konservativen Revolution“ bezeichnet, plötzlich offenbar ein Schimpfwort ist, verwundert. Auch und vor allem die wohlfeile Empörung über eine Veranstaltung, in deren Rahmen traditionelle(!) Kultur gepflegt wird und auch ein menschlich anständiger Umgang mit jungen Menschen gepflegt wird statt Pöbeleien oder Herabwürdigungen wie bei Dieter Bohlen oder Heidi Klum, erregt Kopfschütteln.

Aber es zeigt sich einmal mehr, dass weite Teile der sich „konservativ“ oder „nationalkonservativ“ nennenden deutschen Rechten in Wahrheit ultranationalistische Linke sind. Werteerhalt, Kulturpflege und religiöse Selbstvergewisserung sind ihnen suspekt, wenn Einwanderer sich dieser annehmen. Da bleibt man lieber beim autochthonen Einheitsbrei rund um Genderideologie, Charlotte Roche, GNTM und die Reduktion des Deutschtums auf eine biologische Zufälligkeitsvariable.

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