Homo-Debatte: Das wirklich Kranke ist der Etatismus

Ob es „gut so“ ist, dass Matthias Matussek sich selbst als „wohl homophob“ outet, kann und will ich nicht beurteilen. Man mag nicht zuletzt die bereits in der Unterüberschrift enthaltene Darstellung, mittlerweile hätte Homophobie dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht, als geschmacklos abtun.  Und doch wird selbst diese durch die einseitige Berichterstattung der „Qualitätsmedien“ zur Ukraine, wonach man sich als guter Deutscher gefälligst auf die Seite der antisemitischen „Swoboda“ zu schlagen habe, um dem bösen „homophoben“ Putin eins auszuwischen, täglich mehrfach unfreiwillig unterstreichen.

Fakt ist, dass Matusseks Artikel in der „Welt“ mit fast 30 000 Likes eine Verbreitung in einer Größenordnung erreicht hat, die an Birgit Kelles Heavy-Rotation-Text „Dann mach doch die Bluse zu“ erinnert. Die Folgen waren diesmal der übliche Shitstorm seitens derjenigen, die bloß die Überschrift gelesen hatten und ein nun schon über mehrere Tage hinweg anhaltendes aneinander Vorbeireden zwischen Matussek und dem Chefredakteur Alexander Görlach auf „The European“.

Matussek bestreitet darin, dass die Ehe zwischen Männern oder Frauen gleichen Geschlechts derjenigen zwischen Mann und Frau gleichwertig sei. Für einen gläubigen Katholiken erst einmal nun wirklich keine sensationelle Position, könnte man meinen. In weiterer Folge rekurriert er auf Spaemann und Aristoteles und bezeichnet Homosexualität als „Defekt“ und „Fehler der Natur“.

Görlach wirft ihm in seiner Erwiderung daraufhin „Biologismus“ vor, woraufhin Matussek noch einmal nachlegt und darlegt: „Man braucht keine mit großem philosophiegeschichtlichem und psychoanalytischem Schmuck vorgetragene Herleitung irgendeines christlichen Ordo-Gedankens für die ganz simple Einsicht, dass Lebewesen sich fortpflanzen müssen, um die Art zu erhalten. In diesem Sinne ist Gleichgeschlechtlichkeit ein Fehler der Natur. So wie es Taubheit gibt. Oder die Rot-Blindheit. Oder Erbkrankheiten wie die Ahornsirupkrankheit. Ich verstehe den Skandal nicht, den eine solche Äußerung verursachen könnte.“ Woraufhin Görlach endgültig der Kragen platzt und er Matussek implizit unterstellt, er würde der Euthanasie an Homosexuellen das Wort reden. Neben dem „Freitag“, der sowohl Matussek als auch Birgit Kelle als „Rechts(!)denker“ in eine Reihe mit uniformistischen Linkssozialisten wie Thilo Sarrazin oder Alice Schwarzer stellt, dürfte das dann wohl der Tiefpunkt einer Debatte gewesen sein, die auf ihre Art sehr treffend den bemitleidenswerten Zustand der politischen Debattenkultur in unserem Land zu dieser Zeit illustriert.

Es wird immer Homos geben: Get over it!

Und wie so oft schaffen es alle Beteiligten, gleichermaßen das Thema zu verfehlen. Denn ob Homosexualität natürlich, eine Fehlfunktion, ein Teil der Schöpfungsordnung oder eine frei gewählte Lebensweise ist, ist völlig irrelevant. Es tut schlicht und einfach nichts zur Sache, warum jemand diese sexuelle Ausrichtung als elementaren Teil seiner eigenen Persönlichkeit begreift oder nicht. Unabhängig davon, ob man dem Kreationismus, der Evolutionstheorie oder irgendwelchen ID-Positionen anhängt: Fakt ist, dass es zu jeder Zeit in jedem Volk, jedem Land und jeder Gesellschaftsordnung einen bestimmten Prozentsatz an Menschen gegeben hat, die sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlten, zum anderen jedoch nicht. Und dass es diesen Prozentsatz weiterhin geben wird. Fakt ist auch, dass kein Volk, keine Kultur, keine Gesellschaft daran gescheitert ist.

Insbesondere hat eine freiheitliche Gesellschaft kein Recht, Menschen elementare Grundrechte und –freiheiten auf Grund ihrer sexuellen Identität vorzuenthalten, genauso wenig wie diese auf Grund anderer prägender Teile ihrer Persönlichkeit, wie Religionsbekenntnis oder Herkunft Nachteile erleiden dürfen. Es wäre deshalb ebenso unzulässig, Homosexualität unter Erwachsenen unter Strafe zu stellen, wie es selbstverständlich Aufgabe des Staates ist, diese Menschen vor Übergriffen, Anfeindungen und Willkür zu schützen. Das ist auch Konsens und daran orientiert sich auch die Gesetzeslage in den meisten Ländern der Welt, inklusive der Türkei oder Russland. Wobei auch ein solcher gesetzlicher Schutz nicht immer verhindert, dass Straftäter diesen missachten. Diese müssen dafür entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden. Da auch ich als jemand, der in ähnlicher Weise wie Matussek die „Arroganz der jeweiligen Moderne gegen das Gestern oder Vorgestern“ nicht abkann, diesen Gedankengang im Sinne der Konsequenz aus einer – für alle Weltreligionen elementaren – Idee der Unantastbarkeit der Menschenwürde für ausreichend unmodern genug halte, gehe ich davon aus, dass sie für außerordentlich konservative Menschen in gleicher Weise konsensfähig sein dürfte wie für betont liberale.

Pluralität hilft allen

Ob und inwieweit man ihnen in einem Gemeinwesen welche Rechte einräumen will, die mit staatlichen Vergünstigungen einhergehen, muss allerdings ebenfalls Gegenstand politischer Entscheidungsfindungen sein, die in der einen oder anderen Richtung ausfallen können. Dies betrifft beispielsweise die Art und Weise, ob und wie staatliches Eherecht ausgestaltet wird – und hier kann, was beispielsweise die Frage der „Homo-Ehe“ anbelangt, das Ergebnis in New York anders aussehen als in Oklahoma, oder in der Slowakei anders als in den Niederlanden. Auf Dauer ist es gesünder und friedlicher, wenn es für Hippies ein Kalifornien und für Waffennarren ein Texas gibt, in welchen beide unter ihresgleichen leben können, als wenn einer der beiden versucht, dem anderen seine Werte aufzuzwingen. Insofern sollte man auch in Europa lernen, damit zu leben, dass es für Gendermarxisten ein Schweden gibt, während Russland und die Türkei nicht unbedingt deren bevorzugte Lebensmittelpunkte sein dürften.

Auch kann es bis zu einem gewissen Grad legitim sein, wenn ein Staat einzelne von ihm als besonders wertvoll betrachtete Lebensformen durch gewisse Privilegien zu schützen versucht – etwa, wenn ein Land bestimmt, dass nur die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau in für Minderjährige bestimmten Medien oder auch in Schulen als erstrebenswert dargestellt wird. Wobei die Gestaltungsfreiheit umso weiter eingeengt sein und der Staat sich umso mehr zurückhalten muss, je weniger frei das Bildungssystem ist, da er das Erziehungsrecht von Eltern respektieren muss, das jedem staatlichen Bildungsauftrag vorgehen muss.

Vor allem aber ist ein Recht auf Schutz der Menschenwürde und Achtung der prägenden Teile der eigenen Persönlichkeit nicht gleichbedeutend mit einem Recht, andere Menschen gegen deren Willen zu positiven Bekenntnissen zu nötigen oder in der eigenen Welt leben zu lassen. Es ist unabdingbar, es konsequent zu unterbinden und hart zu sanktionieren, wenn beispielsweise ein Schüler von Gleichaltrigen als „Schwuchtel“ gemobbt wird. Es ist aber nicht zu akzeptieren, wenn im Namen eines „Bildungsplanes 2015“ versucht werden soll, Kinder zu einer ganz bestimmten Einstellung zu zwingen, einen „neuen Menschen“ zu schaffen oder die GEW 13-Jährigen „Gewissenserforschung“ verordnet, um sie dazu zu bringen, ihre heterosexuelle Neigung zu hinterfragen.

„Bildungsplanentwurf trieft vor Ideologie“

Ein Bloggerkollege und geschätzter Facebook-Freund Kenneth T. Gund hat die Problematik in einem Statement im genannten sozialen Netzwerk meiner Ansicht nach treffend auf den Punkt gebracht: „Es geht um die Frage, inwieweit Kinder durch die Schule mit Sexualität konfrontiert werden sollen, wann und in welchem Umfang. Ich bin gegen den Entwurf des Bildungsplans, nicht weil ich glaube, dass Kinder durch den Unterricht homosexuell werden, sondern weil ich das Thema – unabhängig von der Orientierung – in der Grundschule prinzipiell ablehne und in den weiterführenden Schulen auf die biologische und soziale Komponente fokussiert sehen will. Der gegenwärtige Bildungsplanentwurf trieft vor Ideologie, die ich nicht an der Schule sehen will. Ebenso wenig wollte ich die Ansichten der Gegenseite im Lehrplan stehen haben, Sexualität gehört ins Private.“

Aber er sagt auch genauso zu Recht: „Matussek treibt hier sinnloserweise die Polarisierung voran und liefert den Gender-Ideologen neue Munition, indem er genau deren Vorwürfe bestätigt. Nein, Homophobie ist nicht in Ordnung und nicht durch Toleranz abgedeckt.

Niemand muss die Homo-Ehe gut finden; da aber – wie ich oben geschrieben habe – Sexualität aber Privatsache ist, geht es jeden Dritten einen feuchten Kehricht an, welche sexuellen Vorlieben seine Mitmenschen pflegen.“

Die Debatte zeigt uns einmal mehr, wie stark und ungesund ideologieverseucht der öffentliche Raum in unserem Land immer noch ist – und dass auch die historischen Katastrophen des Totalitarismus in Europa offenbar immer noch nicht zu der Erkenntnis geführt haben, dass es immer noch die schlechteste Idee von allen ist, zu denken, der Staat solle „große Ideen“ durchsetzen. Das Kranke ist weder die Homosexualität noch die gefühlte Homophobie eines Matthias Matussek, das Kranke ist die Akzeptanz, die jede Art des „Social Engineering“ in Deutschland immer noch besitzt – egal, ob es um linksgrünen Genderwahn oder sozialistische Gleichmacherei unter dem Banner des Sarrazinismus geht.

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