Die „Internationale“ als „Symbol des Kapitalismus“

Teile der Partei „Die Linke“ möchten die „Internationale“ nicht mehr auf ihren Parteitagen gespielt haben. Schön und gut und durchaus verständlich, schafft es die Partei doch nicht einmal bis zur „Nationalen“, wenn es darum geht, die Alt-SED-Kader und technokratischen Machtpragmatiker im Osten mit den ewiggestrigen Dogmatikern und narzisstischen Linkssektierern im Westen unter einen Hut zu bringen.

Nicht, dass man in Zeiten des Dschungelcamps und der Charlotte-Roche-Bücher primär Skrupel davor gehabt hätte, passenderweise an die „Verdummten“ statt an die „Verdammten“ dieser Erde zu appellieren.

Auch ist es nicht der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern gewesen, der hinter dem Antrag gestanden hätte, der, weil man dort angeblich auch einen Weltuntergang erst 50 Jahre später bemerken würde, nun auch erst nach 70 Jahren realisiert hätte, dass die „Internationale“ als offizielle Nationalhymne durch die prächtige Gimn Sowjetskowo Sojusa ersetzt worden war – die übrigens heute wieder mit entkommifiziertem Text die Nationalhymne der Russischen Föderation darstellt.

Die Begründung des Antrags lautete auch nicht, dass das Sprichwort „Böse Menschen haben keine Lieder“ zutreffen würde und man deshalb keine Musik mehr auf linken Parteitagen dulden könnte.

Rettungsschirm für Notenwerte?

Nein: Wie die „Ruhrbarone“ berichten, soll ein Genosse namens Horst Schmitt hinter der Idee stecken und seine Erklärung beinhaltet die These, dass ausgerechnet die „Internationale“, die Generationen von Genossen in aller Welt über Jahrhunderte hinweg in Klang gegossener Klassenstandpunkt war, ein „Symbol des Kapitalismus“ darstellt.

Und zwar nicht, weil Che Guevara, der sie auch des Öfteren gesungen hatte, mittlerweile Posterboy reicher Oberschichtkinder ist – nein: Die „Internationale“, einst durch die „Pariser Kommune“ und den belgischen Arbeitergesangsvereinsdirigenten Pierre Degeyter der Arbeiterklasse und ihrer Partei geschenkt, findet sich in einer Reihe mit „Hoch auf dem Gelben Wagen“ und Techno, wenn es darum geht, „militaristisch, gewalt- und kriegsverherrlichen“ zu sein.

In der Antragsbegründung heißt es: „Monoton rhythmische Musik findet sich beim Militär, und diente mit monotonen Trommelschlägen in der Geschichte beim Einsatz von Menschenschlachten. Sie ist Symbol des Kapitalismus, da es die Zählweise von Geld 1 Euro, 2 Euro, 3 Euro usw.“ – Immerhin dürfte damit die Gefahr, dass die AfD die Musik der verwaisten Hymne klauen könnte, minimiert sein, auch wenn es noch keinen Rettungsschirm für Notenwerte gibt.

Die musiktheoretische Analyse des Genossen Schmitt hält aber noch weitere groteske Elemente bereit: „Musik (Lied ohne Text) ist und wirkt IMMER auch politisch. Heißt, bei Liedern, Text mit Musik beträgt der politische Anteil allein durch die Musik immer mindestens 50 Prozent.“

Nun wäre es mir noch nicht aufgefallen, dass Jon Bon Jovi in der Tonabfolge seiner Gitarrensoli solidarische Botschaften zu Gunsten des türkischen Predigers Fethullah Gülen im Zusammenhang mit den derzeitigen innenpolitischen Verwerfungen in der Türkei verpackt hätte oder Taylor Swift, als sie während der kürzlichen Grammyverleihung „All Too Well“ in die Tasten hämmerte, sich auf diese Weise zum Syrienkonflikt äußern wollte.

In jüngerschen Stahlgewittern

Aber Genosse Schmitt weiß mehr: „Musik unterteilt sich politisch in 3 Richtungen, der linken Musik, des Mainstream und der rechten Musik. Charakter linkspolitischer Musik ist der melodisch bis stark melodische Bereich. Der Mainstream oder neutrale Musik kennzeichnen eine Mischung aus beiden, und rechtspolitische Musik ist stark rhythmisch bis monoton rhythmisch.“

Immerhin scheint Schmitt Anfang bis Mitte der 90er-Jahre die „Junge Freiheit“ gelesen zu haben, als einige Unentwegte dort versucht hatten, das damals in voller Blüte stehende Technogehämmer als Musik der europäischen Neuen Rechten zu verkaufen, weil sie sich inmitten der dröhnenden Bässe in den jüngerschen Stahlgewittern wiederfinden zu können meinten.

Offenbar Grund genug für den Genossen, nun auch diese Un-Musik als „konservativ“ zu entlarven: „Aber auch die Musikrichtung Techno gehört dazu, da dort die monotone technologische Zählweise 01 01 01 01 … ist, woraus sich ein monotoner Musikrhythmus ergibt, der somit auch eine moderne Interpretationsform des Militarismus ist. Daraus erklären sich auch die Besucher von sogenannten Techno-Loveparades, die vorwiegend aus dem konservativen bis rechtspolitischen Spektrum kommen. Wer auf ein Techno-Konzert geht, geht nicht auf ein Rock-Konzert und anders herum genauso. Es sind zwei verschiedene Kultur- und kulturpolitische Welten. Während die Besucher von Techno-Konzerten vorwiegend aus dem konservativen und rechten Spektrum kommen, sind die Besucher von Rock-Konzerten im linkspolitischen Bereich zu Hause. Nicht ohne Grund haben auch Rechte Gruppierungen in Duisburg nach dem katastrophalen Vorfall mit 21 Toten für die Abwahl des Oberbürgermeisters plädiert.“

Genosse Schmitt bestätigt: US-Soldaten kämpfen weltweit für den Frieden

Man muss kein Fan von Eva Herman sein und auch nicht ihrem Kommentar zur damaligen Katastrophe auf der „Love Parade“ zustimmen, um wertfrei feststellen zu können, dass Techno in etwa so „konservativ“ ist wie Thilo Sarrazin oder „Pussy Riot“.

Dagegen ist linke, friedliche und folglich „gute“ Musik melodisch. „Friedensmusik oder Friedenslieder, melodisch gesungen zu melodischer Musik, dagegen sind immer melodisch und sind damit linkspolitisch.“

Ich weiß jetzt zwar nicht, ob beispielsweise Trace Adkins mit dieser politischen Einordnung einverstanden wäre – aber offenbar stehe ich mit meiner Countrybegeisterung dann immerhin auf der Seite der „Guten“.

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